Freitag, 20. Mai 2011

Nach Warnstreiks und Protestaktionen – Verleger im Ton moderat, in der Sache hart

Zweite Verhandlungsrunde Zeitungsbetriebe Nord

Am 19. Mai trafen sich die Verhandlungskommissionen von ver.di und norddeutschen Zeitungsverlegern (VZN) zur zweiten Verhandlung über die Tarifverträge für die angestellten und gewerblichen Beschäftigten der Zeitungsbetriebe in Norddeutschland. Während in der ersten Verhandlungsrunde am 27. April von den Verlegern noch schroff eine Einkommensreduzierung von ca. 4,5 % gefordert wurde, zeigten sie sich in der zweiten Verhandlungsrunde moderat.


Trennung von Gehalts- und Manteltarifrunde
Ver.di hatte zu Anfang erklärt, ein Eingriff in die Gehälter bzw. Einkommen statt einer Gehaltserhöhung würde von den Mitgliedern nicht akzeptiert. Bei dem gemeinsamen Aktionstag am 13. Mai hatten dies die Beschäftigten durch Warnstreiks und andere Protestaktionen deutlich gemacht. So verlangte die ver.di-Verhandlungskommission, dass zuerst über Gehalts- und Lohnerhöhungen zu verhandeln ist. Über Fragen zum Manteltarifvertrag könne erst nach Einigung über Gehälter und Löhne gesprochen werden.

Vorschlag der Verleger – Einmalzahlung und danach Manteltarifverhandlung
Die Verleger zeigten allerdings nur die Bereitschaft, über Einmalzahlungen zu verhandeln. Zum 30. Juni wollen sie die Manteltarifverträge kündigen. Als Forderung zum Manteltarifvertrag kündigten sie an: Flexibilisierung von Jahresleistung und Urlaubsgeld entsprechend des jeweiligen Betriebsergebnisses. Die ver.di-Verhandlungskommission nahm dies zunächst nur zur Kenntnis, machte aber deutlich, dass gegenüber Einmalzahlungen eine lineare Erhöhung vorzuziehen ist.

Auch wenn sich an der Bedrohung der Tarifverträge nichts geändert hat, ist deutlich geworden: Die Aktionen haben sich gelohnt. Aktionen werden umso wichtiger werden, wenn es zu Verhandlungen über die Manteltarifverträge kommt.


Nächster Verhandlungstermin: 20. Juni 2011

Nachbemerkung zur Einschätzung:
Zwar hat sich an den Inhalten in der Auseinandersetzung nichts geändert, aber der Verlauf konnte durch die Streiks beeinflusst werden. Dass jetzt die Gehalts- und Lohnrunde von den Mantelfragen getrennt wurde, ist nur durch die Streiks und Protestaktionen möglich gewesen. Der krasse Wechsel im "Tonfall" zeigte, wie stark beeindruckt die Gegenseite von der Breite und Stärke der Aktionen war und ist.

Da die Manteltarifverträge für Angestellte und Technik in den norddeutschen Zeitungsbetrieben erst zum 31.12.2011 kündbar sind und frühestens im Juni gekündigt werden können, wird sich die Auseinandersetzung um die Manteltarifverträge nach dem 20. Juni und dann womöglich bis in 2012 erstrecken. Das schafft uns gute Bedingungen, zusammen mit den anderen Tarifbereichen zu handeln und dies auch in die Verhandlungen einzubringen

Martin Dieckmann